Reparatur unseres Motors 2026
Nachdem unser Motor uns bei unserem geplanten Törn Richtung Süden einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, geht es nun an die Reparatur, die wir hier ein wenig (b)loggen wollen.
Bootsdieselmotoren gelten zwar bei etwas Pflege insgesamt als relativ "unkaputtbar", es gibt allerdings ein paar Schwachstellen, insbesondere die Teile des Kühlwassersystems die mit Salzwasser in Berührung kommen: Der Auspuffkrümmer mit Einspritzung des Kühlwassers in die Abgasleitung und der Wärmetauscher. Letzterer hat uns wohl (nach heutigem Erkenntnisstand) den Urlaub vermasselt.
06.06. Heimkehr und erste Bestellung
Heute sind wir von Kiel wieder zurück nach Wackerballig gesegelt. Abends haben wir dann noch eine Abdrückvorrichtung für das Kühlsystem und einen CO2-Testkit bestellt. Beides ist Massenware und für insgesamt gut 50 Euro zu haben. Mit letzterem lässt sich feststellen, ob nicht eventuell doch eine kaputte Zylinderkopfdichtung mit im Spiel ist (glücklicherweise bei Bootsdieseln sehr, sehr selten.)
Die Sachen sollen übermorgen da sein, dann drücken wir nochmal ab, machen einen letzten Testlauf mit CO2-Messung und danach geht's dann ans Zerlegen.
Dienstag, 09.06.2026
Um 12:08 ist es endlich so weit: DHL meldet "Die Sendung liegt in der Packstation 112" und Thomas fährt nach Gelting, um den CO2-Tester und das Abdrückgerät abzuholen.
Wieder an Bord, geht es sofort mit dem Improvisieren los: Der CO2-Tester ist zu hoch, um ihn direkt in den Kühlwasser-Einfüllstutzen zu stöpseln, und von den Adaptern des Abdrückgeräts passt auch keiner. Nachdem wir einen der Adapter mit Flex und Akkuschrauber passend gemacht und damit und mit einem Stück Schlauch den CO2-Tester angeschlossen haben, kann es losgehen.
Wir starten den Motor. Kurze Zeit später steigt das sich durch Erwärmung ausdehnende Kühlwasser in die Testvorrichtung, sodass wir den Test erstmal abbrechen müssen. Wir lassen den Motor eine Weile laufen und das überschüssige Kühlwasser ablaufen. Dann erneut der Test, es perlt Gas durch das Reagenz und glücklicherweise bleibt dieses auch nach ca. 10 min. blau. Die Zylinderkopfdichtung ist also (erwartungsgemäß) offensichtlich in Ordnung. Erwartungsgemäß deswegen, weil man durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen eher bei hochgezüchteten Automotoren als bei den doch recht konservativ ausgelegten Bootsdieseln findet.
Ein erneuter Abdrückversuch zeigt wieder deutlichen Druckverlust. Wir verzichten heute darauf, das Abdrückgerät selbst zu testen - der Wärmetauscher muss sowieso raus.
Glücklicherweise haben wir ein Wartungshandbuch von Yanmar, in dem die Demontage / Montage recht detailliert beschrieben ist.
Aber es zeigt sich relativ schnell: Wartungsfreundlich ist anders. Die Kombination aus aufbau der Maschine und Einbaulage macht es nicht einfach. Manche Schläuche, die man laut Wartungshandbuch abbauen muss, können wir zunächst noch nicht einmal sehen. Es hält unendlich auf, wenn man sich bei jedem Teil, das man abbauen will, erstmal Gedanken machen muss, wie man überhaupt drankommt.
Schon bald bauen wir die Lichtmaschine aus, um die Zugänglichkeit etwas zu verbessern.
Viele Flüche und einige Stunden später liegt dann endlich der Ladeluftkühler auf dem Kabinenboden. Aber das war ja nur Vorgeplänkel, eigentlich müssen wir den Wärmetauscher ausbauen. Da es aber mittlerweile schon 19:13 ist, beschließen wir, für heute Feierabend zu machen, denn müde macht man Fehler.
Mittwoch, 10.06.2026
Heute wollen wir nun endlich den Wärmetauscher ausbauen. Zunächst gilt es noch, einige fast unerreichbare Schraubverbindungen zu lösen, unter anderem ist ja der Turbolader mit dem Wärmetauscher verschraubt und eine der Muttern ist fast nicht erreichbar, um dranzukommen, müssen wir unter anderem weitere Kühlwasserschläuche und eine Ölleitung abbauen.
Gegen 13 Uhr ist es dann endlich geschafft, der Wärmetauscher ist 'raus. Wie man im Unteren Bildausschnitt sehen kann, zeigen sich bereits äußerlich deutliche Spuren von Korrosion.
Wir drücken den ausgebauten Wärmetauscher nochmals ab und es zeigt sich deutlich messbarer Druckverlust.
Als wir uns an die Demontage machen, kommt schnell die Ernüchterung: Die beiden Deckel werden von insgesamt 6 Schrauben gehalten. 4 davon bekommen wir mit Einsatz von WD40, Schlagschrauber und viel Geduld heraus. Die 2 verbleibenden werden erst einmal mit WD40 behandelt und während es einwirkt, beschäftigen wir uns mit dem Zerlegen des Ladeluftkühlers. Dieser lässt sich erstaunlich leicht auseinander nehmen. Er ist zwar seewasserseitig verdreckt und wir finden Bruchstücke eines alten Impellers, aber ansonsten sieht er gut aus.
Die 2 verbleibenden Schrauben des Wärmetauschers wollen sich einfach nicht rühren, und so machen wir nach erneuter Anwendung von WD40 für heute Feierabend und hoffen, dass es bis morgen seine Wirkung tut
10.-13.06.2026
Die Hoffnung, die Schrauben könnten sich durch eine Nacht mit WD 40 lösen, hat sich leider nicht erfüllt. Auch warm machen hilft nichts. Irgendwann reißt eine der beiden Schrauben ab, bei der anderen bohren wir später resigniert den Kopf heraus.
Nach dem Abnehmen der Deckel und entfernen des Drecks zeigt sich, dass die Korrosion ganze Arbeit geleistet hat. Die Ränder des Gehäuses bestehen stellenweise nur noch aus Oxiden und man muss richtig viel wegkratzen, bevor man auf metallisches Aluminium stößt.
Auch die beiden Schrauben, die wir nicht herausbekommen haben, sehen wirklich schlimm aus. Dass sie sich nicht rühren, ist nicht weiter verwunderlich. Das Aluminium quillt bei Korrosion auf und zementiert die Schrauben praktisch bombenfest ein.
Als nächstes versuchen wir, das Röhrenbündel aus dem Gehäuse herauszudrücken, leider auch ohne Erfolg. Selbst mit den 3 M8-Schrauben auf der Seite, auf der wir alle herausbekommen haben und zusätzlichen Hammerschlägen rührt es sich nicht, auch nicht, als wir dem ganzen mit dem Brenner zu Leibe rücken.
Auf diesem Bild kann man sehen, wie der Rand wegkorrodiert ist. Diese Korrosion zieht sich vermutlich in die Tiefe in den Spalt zwischen Gehäuse und Rohrbündel und hat letzteres "festbetoniert". Fazit: Wir brauchen einen neuen Wärmetauscher.
Ersatzteilbeschaffung
Nachdem die Erkenntnis gereift ist, dass der alte Wärmetauscher es wohl hinter sich hat, beginnt die Suche nach einem neuen. Da unser Motormodell 4JH4-HTE von Yanmar nach wie vor angeboten wird, denken wir, dass das wohl einfach sein wird.
Irrtum!
Der Wärmetauscher ist derzeit in Europa nicht zu haben. Ein Gehäuse ist noch im Zentrallager verfügbar, aber um das nutzen zu können, müssten wir erst mal das Röhrenbündel aus dem unseren herausbekommen, was uns bislang nicht gelungen ist. Außerdem kostet das Gehäuse absurderweise mehr als der ganze Wärmetauscher.
Ein niederländisches Unternehmen hat noch einen identischen Motor 'rumstehen, der bislang angeblich nur im Süßwasser gelaufen ist. Den würden sie evtl. als Ersatzteillager nutzen und könnten uns dann einen gebrauchten und generalüberholten Wärmetauscher anbieten - für immerhin noch 1850,-- Euro.
Wir überlegen noch. Inzwischen versuchen wir, den alten vielleicht doch noch einmal dicht zu bekommen, um wenigstens die Zeit bis zur Lieferung des neuen zu überbrücken. Wenigstens die 2 Schrauben, die wir anfangs nicht herausbekommen haben, sind mittlerweile draußen. Viel Geduld, Wärme, noch mehr WD 40 und eine große Rohrzange haben letztendlich zum Erfolg geführt. Die Gewinde sind also alle noch nutzbar.
18.06.2026
Wir haben uns Hochtemperatur-Silicon besorgt und basteln uns damit Dichtungen, die genau an das, was noch von dem Gehäuse übrig ist, angepasst sind. Reichlich Silicon in den Spalt, in dem früher die O-Ringe waren, dann den jeweiligen Deckel mit einem Abstandshalter von ca. 1mm und gefetteten Flächen draufschrauben. Nach 2 Tagen lassen sich die Deckel ganz unproblematisch abnehmen. Wenn wir jetzt die Deckel ohne Abstandshalter wieder drauf schrauben, sollte alles dicht sein. Hoffen wir.
Natürlich ist das keine dauerhafte Lösung, aber auf die Art und Weise könnten wir uns den neuen Wärmetauscher (wir erinnern uns: Lieferzeit ca. 6-8 Wochen, evtl. auch mehr) bestellen und in der Zwischenzeit wenigstens noch etwas segeln.
21.06.2026
Manchmal liegen Stolpersteine auf dem Weg, mit denen man überhaupt nicht rechnet. Natürlich wollen wir den WT mit den "Patent-Dichtungen" abdrücken, bevor wir ihn einbauen. Dafür haben wir passende Schläuche bestellt. Die sollten eigentlich am 18. zugestellt werden, mittlerweile sieht der Sendungsverlauf bei DHL so aus. Warum, zur Hölle, ist ein Paket, das schon in Zustellung Richtung Gelting war, jetzt wieder in Hamburg??? Das weiß DHL ganz allein. Die Hotline macht am Samstag um 12 zu und vermutlich würde man ohnehin nur einen KI-Agenten ans Telefon bekommen, der auch nicht mehr weiß, als in der Sendungsverfolgung steht.
Und um das Chaos komplett zu machen, hat der holländische Lieferant, bei dem wir die O-Ringe für den Ladeluftkühler bestellt haben, das Paket, das an eine Packstation adressiert ist, per GLS verschickt. Obwohl sie lt. Webseite mit auch mit DHL versenden und wir im Bemerkungsfeld extra noch darauf hingewiesen haben, dass unbedingt mit DHL verschickt werden muss, da Packstation.
Aber auch das kein Problem, sollte man meinen. Schließlich kann man ja auf der GLS-Webseite eine neue Zustelladresse eingeben. Nur wird die vom Formular leider verwürfelt, sodass nun statt "Strandweg 1b" "Gelting 1b" in der Adresse steht. Hatte ich erwähnt, dass man bei GLS die Adresse nur ein einziges mal ändern kann? Und warum nimmt GLS ein Paket, das an eine Packstation adressiert ist und somit unmöglich von GLS zugestellt werden kann, überhaupt an? Es ist zum In-die-Tischkante-beißen!
Am Dienstag steht dann plötzlich im Status, das Paket sei zugestellt. Unter "Name" steht noch "Petric". Jenny, unsere Hafenmeisterin, betätigt sich als Detektivin und bekommt schließlich heraus, dass das Päckchen im benachbarten Yachthafen Gelting-Mole gelandet ist. Name des Hafenmeisters: Patrick.
Da nun also auch unsere O-Ringe da sind, können wir damit beginnen, den Motor wieder zusammen zu bauen.
Mittwoch, 24.06. bis Donnerstag, 2.7.
Zunächst drücken wir alles noch einmal separat ab: Den Wärmetauscher sowohl See- als auch Frischkühlwasser-seitig. Den Rest des Kühlkreislaufs. Den Ladeluftkühler. Den Turbolader. Alles scheint dicht zu sein.
Der nun folgende Zusammenbau der Maschine zieht sich, da es mittlerweile unerträglich heiß geworden ist und man kaum arbeiten kann. Hinzu kommt noch, dass Thomas einem "Mitbewohner" des Hafens versprochen hat, ihm am Samstag bei seiner Motorwartung zu helfen.
Am Dienstag, den 30.06. ist es dann endlich so weit: Wir starten einen ersten Probelauf. Zunächst noch zaghaft, ganz kurz und mit zwischenzeitlichem Nachfüllen des Kühlmittels. Zum Schluss lassen wir die Maschine dann ca. eine halbe Stunde unter Last (eingekuppelt mit 1500 Touren und in den Leinen hängend) laufen.
Als sie wieder abgekühlt ist, hat sich einiges an Luft im Wärmetauscher gesammelt, wir füllen alles wieder auf.
Am Mittwoch haben wir keine Zeit, dafür dann am Donnerstag nochmal dasselbe Procedere. Luft sammelt sich dieses Mal nicht mehr, der Stand im Ausgleichsbehälter ist nach Abkühlung ca. um 3-4 mm gesunken. Das sieht erst einmal gut aus. Den finalen Testlauf, draußen in der Geltinger Bucht mit höheren Drehzahlen können wir dann hoffentlich am Samstag machen.