Ab in den Süden - oder auch nicht
Dieses Jahr sollte es nun endlich so weit sein. Nachdem wir 5 Jahre mit der Kurs270 gesegelt sind, in den Sommerhalbjahren weitestgehend auf ihr gelebt und sie mit vielen großen und kleinen Ein- und Umbauten wohnlich und langfahrttauglich gemacht haben, sollte es nun endlich losgehen. Ein Törnplan wurde ausgearbeitet (siehe Bild), auf handgegenkoje.de Mitsegler gesucht und ein Winterlager in Lagos organisiert. Daniela hatte sich bei ihrem Arbeitgeber eine Auszeit von 4 Monaten erkämpft und am 3.6. sind wir dann gestartet.
Da ab ca. 17 Uhr heftiger Regen angesagt war und wir gerne trocken ankommen wollten, haben wir uns die Kreuz gegen den Westwind geschenkt, schon an der Einfahrt der Kieler Förde die Segel geborgen und die letzten ca. 6 Meilen bis zum Hafen Düsternbrook unter Motor zurückgelegt.
Am Donnerstag dann der Schock: Bei der Motorkontrolle fiel uns auf, dass der Pegel im Ausgleichsbehälter im Vergleich zum Vortag um ca. 2,5 cm. gesunken war, wir hatten also mit 1:45 h Motorbetriebszeit rund einen viertel Liter Kühlmittel verbraucht. Da wir vorher in 5 Jahren (mit Ausnahme eines Schlauchwechsels in 2025) insgesamt mal gerade einen halben Liter nachfüllen mussten, war das auf jeden Fall ein Alarmzeichen. Ein Leck an einem Schlauch war schnell ausgeschlossen. Die Motorbilge war komplett trocken und auch außen am Motor keine Spur von Kühlmittel.
Freunde haben uns Gregor Domek, einen "Bootsmotoren-Guru" in Kiel empfohlen, der sich tatsächlich bereit erklärte, am Freitagabend vorbeizukommen. Zudem konnten wir uns von unserer Winterlager-Yachtwerft ein Abdrückgerät leihen.
Die Ergebnisse der abdrück-Aktion waren unklar, aber Gregor, der am Freitagabend gegen 6 an Bord war, bestätigte das, was wir schon befürchtet hatten: sowohl der äußere Augenschein (weiße Ränder an den Dichtstellen) als auch die Erfahrung mit diesen Motoren sagen klar: der Wärmetauscher ist durch.
Eins ist bei solchen Schäden sicher: Sie werden mit der Zeit (und manchmal auch ruckartig) schlimmer. Mit so etwas morgen durch den NOK motoren und dann auf Langfahrt durch heftigste Tidenreviere starten? Wohl eher nicht.
Jetzt in Kiel ad hoc einen fähigen Motormenschen zu finden, der Zeit hat und das "mal eben" erledigt? Hoffnungslos. Die guten sind alle auf Wochen, wenn nicht Monate, ausgebucht.
In Kiel bleiben und selber machen? Wenn dann die Ersatzteilbeschaffung hakt (es reicht ja schon, wenn ein einziges Teil gerade nicht lieferbar ist), wird es mit auseinandergenommenem Motor teuer und ungemütlich, zumal die Kieler Woche bevorsteht und vermutlich alle Hafenplätze lange vorgebucht sind.
Also haben wir uns entschlossen, unsere Pläne für's erste ad acta zu legen, nach Wackerballig zurückzufahren (unser Liegeplatz ist für das Jahr bezahlt) und die Reparatur in Ruhe dort zu machen.
Das Wetter am Samstag war uns gewogen. Anfangs auf der Kieler Förde war noch Flaute, aber dann ging es mit rund 15 kt Ost-Südost gut voran und so waren wir noch vor dem dicken Regenguss wieder in Wackerballig.
Aus unserem Sommertörn wird nun also ein "Repara-turn..."
Die Doku zu den Reparaturarbeiten gibt es hier.